german mouse and hamster club

Vereinssitz: Oberhausen/Rhld. VR 41634 Gründungsjahr: 2004
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Biologie und Haltung des Campbell-Zwerghamsters

Allgemein
Der wild lebende Campbell-Zwerghamster (Phodopus campbelli) bewohnt Steppen und Halbwüsten der Mongolei, des nordöstlichen Chinas, Tuwas sowie die russische Region Daurien und den Altai. Die Art ist nicht gefährdet, die Populationsdichte ist zwar niedrig, jedoch stabil.

Die Körperlänge beträgt acht bis zehn Zentimeter. Das weiche, dichte Fell ist auf der Körperoberseite gräulich-braungelb mit einem schwarzen Aalstrich. Die Körperunterseite ist grauweiß, an den Flanken verlaufen drei braungelbe Bögen nach oben.

Der Campbell-Zwerghamster wird seit 1969 in Europa gezüchtet, seitdem sind viele verschiedene Farbschläge aufgetreten. Während er in Nordamerika als Labor- und Heimtier sehr beliebt ist, findet man ihn in Deutschland eher weniger. In deutschen Zoohandlungen ist er nur sehr selten zu erhalten, da hierzulande der Dsungarischen Zwerghamster beliebter ist. Es gibt nur wenige Züchter, die sich auf Campbell-Zwerghamster spezialisiert haben.

In Daurien untersuchte Baue bestanden immer aus einem 25 bis 30 cm unter der Erde liegenden, horizontalen und durchschnittlich 100 cm langen Gang in den vier bis sechs vertikale Schächte führten. Das Nest ist mit trockenem Gras und Schafwolle ausgepolstert. In der nördlichen Mandschurei und Daurien bewohnt der Campbell-Zwerghamster außerdem die Bauten von Pfeifhasen (Ochotona). Auf der mongolischen Hochebene zieht er die Baue der Mongolischen Rennmaus (Meriones unguiculatus) selbstgegrabenen Bauen vor.

Die Ernährung des wilden Campbell-Zwerghamsters ist je nach Verbreitungsgebiet und Jahreszeit sehr unterschiedlich. In verschiedenen Untersuchungen wurden Samen nahezu aller vorkommenden Pflanzenarten in den Backentaschen gefangener Hamster festgestellt. In Daurien fand Peschkow (1960) vor allem die Samen von Büschelhaargras (Stipa capillata), wildem Lauch (Allium), den Schwertlilien Iris ruthenica und Iris flavissima, Hohlzahn (Galeopsis), Fingerkräuter (Potentilla) sowie Insekten, besonders Käfer. In der Republik Tuwa stellten Flint und Golowkin (1961) Samen Fingerkräutern, Nitraria, diversen Pfriemengräsern (Stipa), Aneurolepidum sowie Seggen (Carex) fest. Während 90 Prozent der mit gefüllten Backentaschen gefangenen Hamster pflanzliche Nahrung transportierten, hatte nur die Hälfte der Tiere auch tierische Bestandteile in den Backentaschen. Vegetative Pflanzenteile, also Blätter, Blüten, Knospen oder Früchte wurden nicht festgestellt, woraufhin die Forscher schlossen, dass diese auch nicht verzehrt werden.

Haltung
Zwerghamster sind bewegungsfreudige Tiere, die in ihrer Aktivitätszeit sehr viel Beschäftigung brauchen. Zu den natürlichen Beschäftigungsantrieben der Tiere gehören

1. Absichern des Reviers
2. Nahrungssuche
3. alle Facetten des Sozialverhaltens

Das bedeutet, dass Zwerghamster in der Heimtierhaltung die ganze Zeit beschäftigt sein sollten. Die wilden Verwandten verbringen sehr viel Zeit mit der Futtersuche und dem Ausbau der Wohnhöhlen. Dies geschieht einzeln oder gemeinsam. Die Tiere legen in der Natur große Strecken zurück und wollen auch in der Heimtierhaltung tun. Die gegenseitige Fellpflege, das Austragen von Rangordnungskämpfen und nicht zuletzt die Paarung, Trächtigkeit und Jungenaufzucht nehmen einen großen Teil des Hamsterlebens ein und bedingen neue Verhaltensweisen.

Campbell-Zwerghamster sollten mindestens zu zweit in einem großen Käfig, Aquarium oder Terrarium leben. Das Mindestmaß wird oft mit einer Grundfläche von 80 x 40 cm angegeben. Als Bodengrund eignen sich Holzspäne, Weichholz- und Hanfhäcksel dick auf einer Schicht Stroh- oder Maispellets aufgetragen. Heu oder Stroh können über das Bodensubstrat verteilt werden. Zur Strukturierung des Lebensraums bietet der Zoo- oder Terraristikhandel sehr viele Ideen. Es sollten vor allem Versteckmöglichkeiten in Form von Höhlen und Tunnels vorhanden sein. Pro Tier mindestens ein Versteck. Halbe Korkröhren eigenen sich sehr gut. Genauso wie andere wühlende Bodenbewohner bevorzugen auch Campbell-Zwerghamster Wohnbauten die durch einen etwa 15 cm langen Tunnel zugänglich sind. Ansonsten sollten noch Einrichtungsgegenstände zum Klettern eingebracht werden. Empfehlenswert sind naturbelassene Holzstücke (Obstbaumäste oder Wurzeln aus dem Aquaristik-/Terraristikbedarf) sowie große Steine. Die Krallen der Zwerghamster wachsen besonders schnell, da sie sich naturgemäß auf beim Laufen und Graben in der Steppe ständig abnutzen. Um den Tieren stressiges Krallenschneiden zu ersparen, sollten immer naturbelassenes Holz und Steine im Terrarium vorhanden sein. Ein Sandbad darf nicht fehlen, die Tiere baden und scharren sehr gerne in Chinchillasand. Dem Bewegungsbedürfnis der Zwerghamster wird man durch einen großen Käfig mit viel Lauffläche allein nicht gerecht. Ein Laufrad sollte immer vorhanden sein. Hamsterräder waren lange Zeit verpönt, jedoch zeigen Untersuchungen, dass große, sicher konstruierte Laufräder den Tieren keinen Schaden zufügen und gerne benutzt werden. Es gibt tiergerechte Modelle, deren Bezugsquellen per Mail erfragt werden können. Auslauf im abgesicherten Zimmer sollte immer unter Aufsicht und nicht länger als eine Stunde gewährt werden.


Ernährung
Campbell-Zwerghamster ernähren sich in erster Linie von Pflanzensamen und Insekten. Da die Tiere Diabetes ausbilden und vererben, sollte auf zuckerhaltiges Futter verzichtet werden.

Jeder Hamster benötigt pro Tag etwa einen Teelöffel Trockenfutter und zusätzlich etwas Frischfutter. Natürlich sollte immer Wasser vorhanden sein.

Möchte man auch Campbell-Zwerghamster mit einer Futtermischung aus dem Handel füttern, sollte dieses möglichst aus ganzen Getreidekörnern und Pflanzensamen bestehen und keine zuckerhaltigen Bestandteile, dafür aber Eiweiß enthalten. Eine gute Futtermarke kann per Mail erfragt werden. Da es bislang noch keine wirklich 100%ig gute Diätmischung für Campbell-Zwerghamster gibt, ist der Halter gezwungen, aus Fertigfutter zuckerhaltige Bestandteile (Extrudate, Trockenobst, getrocknete Möhren) zu entfernen. Ich empfehle deshalb, Trockenfutter selbst zu mischen. Hierzu eignet sich eine Basis aus

2 kg Premium-Großsittichfutter (alternativ: Agapornidenfutter)
1 kg Premium-Kanarienfutter ( alternativ: Wellensittichfutter)
250 g Degufutter
200 g getrocknete Insekten
150 g Grassamen

Dazu können Buchweizen, Bockshornklee, Hafer, Hanf und andere Samen oder Getreidesorten gemischt werden. Tierisches Eiweiß ist für Campbell-Zwerghamster sehr wichtig. Heuschrecken, Heimchen, Grillen und Mehlwürmer werden lebend genauso gerne angenommen, wie getrocknet.

Als Frischfutter sollten Kräuter und Gemüse, wegen der Fructose jedoch kein Obst angeboten werden. Am besten eignet sich Wurzelgemüse mit wenig Zuckeranteil: Schwarzwurzel, Petersilienwurzel, Sellerie. Ebenso geeignet sind Salatgurke, Zucchini, Sojasprossen und Fenchel. Rotes Gemüse (Paprika, Rote Beete, aber auch Möhren) enthält mehr Zucker als andere Gemüsesorten und sollte deshalb besonders bei Diabetes-positiven Tieren vermieden werden. Gräser und Kräuter (Gänseblümchen, Löwenzahn, Petersilie, Basilikum) können gesammelt oder in Bioqualität gekauft werden. Zooläden bieten Katzengras zum selbst ziehen oder schon gewachsene Futterpflanzen im Topf an. Genauso können auch Samen aus der Futtermischung zum Keimen gebracht und dann als Keimlinge oder ganze Pflanzen verfüttert werden. Getrocknete Kräuter werden von vielen Hamstern gerne gefressen. Hier eigenen sich vor allem Löwenzahnkraut und Selleriestängel.

Text: Stefan Kräh
bei Fragen: kraeh[at]dmrm.de

   
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