german mouse and hamster club

Vereinssitz: Oberhausen/Rhld. VR 41634 Gründungsjahr: 2004
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Diabetes

Die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) ist bei Campbell-Zwerghamstern sehr weit verbreitet und kann erblich aber auch durch falsche Ernährung bedingt sein.

Bei ererbtem Diabetes kommt es besonders zwischen dem 2. und 4. Lebensmonat zum Ausbrechen der Krankheit. Erworbener Diabetes kann früher oder später, auch bereits nach der Umstellung auf gesundes Futter vorkommen. Campbell-Zwerghamster neigen auch als Wildfänge zu Diabetes mellitus, da sie aus kargen Gebieten stammen und ihr Organismus auf die Verwertung zuckerarmer Nahrung spezialisiert ist. Ebenfalls betroffen sind der Chinesische Streifenhamster, Dsungarische Zwerghamster die das Mandarin-Gen tragen und Hybriden aus Dsungarischen und Campbell-Zwerghamstern.

Die Symptome einer fortgeschrittenen Erkrankung sind oft schon auf dem ersten Blick erkennbar:

• Hyperaktive Bewegungsstereotypien (Eckenscharren, Eckenspringen, hin und her Rennen, Kratzen) aber auch Lethargie

• Untergewicht (aber auch Fettleibigkeit)

• häufiges Trinken

• Absetzen von sehr viel Urin

• süßlich riechender Urin

In Verdachtsfällen oder einfach zur Vorsorge kann eine Erkrankung schon in frühen Stadien mittels Untersuchung des Urins mit Glucoseteststreifen erkannt werden. Diese Teststreifen sind meist in Zehnerpackungen für ein bis zwei Euro in der Apotheke erhältlich. Auch regelmäßige Gewichtskontrolle und besondere Aufmerksamkeit bei der Reinigung des Käfigs helfen, Anzeichen frühzeitig zu erkennen.

Für die Zuckerkrankheit beim Zwerghamster gibt es keine Heilung. Eine Behandlung mit Insulin wie beim Menschen ist nicht möglich. Die Therapie mit den Glipiziden, welche die Insulinproduktion in der Pankreas anregen sollen, bringt nur gute Ergebnisse, wenn es sich um erworbenen Diabetes handelt, und dieser früh erkannt und behandelt wurde. Die oft propagierte Fütterung von Bockshornkleesamen führt zu unangenehm würzig riechendem Urin. Der schwere und hartnäckige Geruch verteilt sich dauerhaft im Raum. Von einer homöopathischen Behandlung ist dringend abzuraten, da der so genannte Wirkstoff über Globuli, also Zuckerkugeln, zugeführt wird.

Gute Halter und Züchter halten ihre Campbell-Zwerghamster, egal ob gesund oder krank, immer auf Diät. Die meisten Fertigmischungen sind zu kohlehydratreich und enthalten für die Bedürfnisse von Campbell-Zwerghamstern zu wenige Proteine. Besser ist eine, wie im Kapitel „Ernährung“ beschriebene, selbst hergestellte Futtermischung. Campbell-Zwerghamster sollten niemals mit Obst gefüttert werden. Auch Gemüse eignet sich nur bedingt. Rotes und gelbes Gemüse ist besonders süß und sollte vermieden werden. Jedoch ist auch bei den grünen und weißen Gemüsesorten einiges zu beachten. Der Anteil an Kohlenhydraten sollte möglichst niedrig sein. Anhaltspunkte über den Kohlehydratanteil von Gemüsesorten liefern Lebensmitteltabellen in denen die Glykämische Last (GL) bzw. der etwas bekanntere Glykämische Index (GI) angegeben sind. Hier gilt: Das Gemüse sollte pro 150g eine GL unter 1 (bzw. einen GI unter 20) haben und natürlich auch sonst gut verträglich sein. Unter diesen Voraussetzungen sind folgende Gemüsesorten für Campbell-Zwerghamster, aber auch andere diabetesgefährdete Arten uneingeschränkt zu empfehlen:

Sorte Kohlenhydrate pro 100g

Fenchel 2,8 g
Knollensellerie 2,3 g
Petersilienwurzel 2,3 g
Salatgurke 1,8 g
Schwarzwurzel 1,6 g
Staudensellerie 2,2 g
Zucchini 2,0 g

Im Vergleich schneiden die leider immer noch häufig verfütterten Karotten mit mehr als doppelt so hohem Kohlehydratanteil und einem GI von 70 sehr schlecht ab.

Diabeteskranke Hamster bedürfen besonderer Pflege. Das Wachstum der Krallen ist beschleunigt, sodass diese sich nicht mehr ausreichend von selbst abnutzen. Hier muss der Pfleger eingreifen und die nötigenfalls Krallen selbst kürzen. Durch den erhöhten Flüssigkeitsumsatz setzen die Tiere sehr viel mehr Urin ab als gesunde Artgenossen. Die Toilettenecken müssen besonders oft gereinigt werden, da der glucosehaltige Urin Nährboden für Bakterien ist.

Für Züchter gilt:

Zuchttiere sollten regelmäßig auf Diabetes getestet und nur im Falle eines negativen Ergebnisses verpaart werden. Genetisch bedingter Diabetes vererbt sich wahrscheinlich rezessiv. Das bedeutet, dass auch zwei negativ getestete Tiere kranken Nachwuchs produzieren können. Jeder Halterinteressent muss diesbezüglich sensibilisiert werden, da es nicht möglich ist, bei Jungtieren eine Voraussage zu treffen, ob sie gesund bleiben. Deshalb ist es wichtig, Jungtiere möglichst lange zu behalten und zukünftige Halter umfassend über die Zuckerkrankheit zu informieren. Idealerweise bleibt der Kontakt zwischen Halter und Züchter aufrecht, sodass der Züchter über den Gesundheitszustand seiner Abgabetiere und somit auch über die Gesundheit seines Zuchtstamms Bescheid weiß.



Text: Stefan Kräh
bei Fragen: kraeh[at]dmrm.de

   
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