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Informationen zur Zuchthaltung von Farbmäusen
Dieser Informationstext soll speziell Zuchtanfängern des DMRM helfen, eine
geeignete Zuchtanlage für Farbmäuse zu planen und aufzubauen. Anmerkungen:
Gruppengrößen in der Zucht Stamm- und Zuchttiere werden begründet nicht in Großgruppen zusammengefasst, sondern leben in verschiedenen Gruppen von zwei bis etwa vier Mäusen. Anfängliche Junggruppen können diese Anzahl kurzfristig überschreiten, Aufzuchtgruppen sind zwangsläufig bis zum Ende der Aufzucht der Nachzucht größer. Gründe für Kleingruppen:
Rund gerechnet sind in einer gut aufgebauten Zucht je nach Anzahl der gezüchteten Rassen (Farbvarianten) permanent etwa 20 bis 80 Käfige für die Stammtiere gleichzeitig im Einsatz. Zusätzlich zu den Käfigen für die Stammtiere, kommen in regelmäßigen Abständen übergangsweise noch Käfige für Abgabemäuse oder gelegentlich auch Quarantänekäfige (für Neuzugänge) hinzu. Diese Rahmenbedingungen zur Führung einer Farbmauszucht erfordern ein hohes Maß an Platz und entsprechenden Zeitaufwand für die Reinigung der Käfige. Neben Beruf, Familie usw. sowie allen weiteren Anforderungen, die das Hobby der Zucht stellt, muss es für den Züchter leistbar sein, dass Käfige und Tiere nicht verwahrlosen.
Doch ist es nicht
allein die Anzahl an Stammtieren und Käfigen oder der zeitliche
Reinigungs- und Pflegeaufwand, der die Alternativen an Käfigvarianten für eine Zucht
stark eingrenzt. Voraussetzungen und Bedingungen, die ein Käfig für die zuchtgerechte Haltung erfüllen muss:
Der Käfig muss einem
hohen Anspruch an die Hygiene gerecht werden.
Dies meint keine Sterilität oder übertriebene Sauberkeit, denn auch eine
Maus muss nach dem "Abstillen" ihr Immunsystem zunächst aufbauen, was
unter sterilen Verhältnissen nicht möglich ist und bei überpenibler
Sauberkeit erschwert wird. Zusätzlich zu der Tatsache, dass Mäuse im Vergleich zu anderen Nagern viel Urin ausscheiden, kommt weiterhin dazu, dass sie und insbesondere die Männchen Reviermarkierungen nicht über Duftdrüsen, sondern über Urin tätigen. Dies führt zu einer gleichmäßigen Ausbreitung einer klebrigen, übel riechenden Masse überall dort, wo markiert werden kann. Was das in einer Zucht mit entsprechend hoher Anzahl an männlichen Mäusen bedeutet, ist selbsterklärend. Ein Käfig, der beim Saubermachen nicht heiß ausgewaschen und bei dem nur die Streu gewechselt oder vielleicht noch mit einem Lappen oder Schwamm durchgewischt werden kann, ist zumindest in einer Zucht hygienisch durchaus als bedenklich zu bezeichnen. Zudem steigert sich ohne das Auswaschen die Geruchsbelästigung zunehmend im Laufe der Zeit, weil die für die Geruchs- und Ammoniakbildung verantwortlichen Bakterien erhalten bleiben. Insbesondere Holzkäfige sind nach einer Weile der reinste Bakterienpool. Doch nicht nur dort, wo Urin-Ecken zu finden sind, muss die Möglichkeit einer gründlichen Reinigung gegeben sein. Auch z. B. Gitter werden von Mäusen verunreinigt und Männchen schaffen es in ihrem Markierungsbestreben gar, diese komplett mit der oben erwähnten Masse zu versehen. Gitter sollen und müssen nicht bei jeder Käfigreinigung gesäubert werden. Dennoch wird dies in einer Zucht in regelmäßigen Abständen notwendig, weil einerseits viele Männchen gehalten werden und andererseits die Mäuse in ihrem Leben mehrmals den Käfig wechseln müssen. Spätestens dann sollte das gesamte Gitter aus hygienischen Gründen vollständig unter heißem Wasser gesäubert werden. Eine Handlung, die Züchter also zwangsläufig oft vollziehen müssen.
Wirklich interessant
wird das Thema Hygiene jedoch erst, wenn es zu Krankheitsfällen kommt,
wovor kein Züchter geschützt ist. In einer Zucht ist das Risiko von
Infektionen sowie einer epidemischen Ausbreitung auf den Gesamtbestand
bedingt durch Neuzugänge und höhere Anzahlen an Tieren im Gegensatz zum
Halter vergleichsweise hoch. Zusammenfassend kann man sagen, dass Holz als Material zu unhygienisch ist (selbst der beste, gesundheitlich für die Tiere unbedenkliche Lack hält dem aggressiven Urin auf Dauer nicht stand). Zudem leiden Holzkäfige im Laufe der Zeit zu stark unter dem Nagetrieb mancher Mäuse. Gitterkäfige können nicht ohne weiteres bis in jede Ritze heiß gereinigt werden, wobei die Gitter gleichzeitig von den Tieren stark verunreinigt werden. Aquarien bzw. Terrarien können in den mit Silikon gefüllten Ecken Bakterienherde bilden und sie sind außerdem für das notwendige und häufige Herumtragen für die Reinigung unter heißem Wasser zu schwer und dabei auch noch extrem riss- und bruchgefährdet. An Materialen, die für Käfige in einer Zucht geeignet sind, bleiben sehr wenige zur Auswahl übrig und tatsächlich findet sich keine bessere Alternative als ein entsprechend belastbarer und harter Kunststoff, der nach Möglichkeit auch noch durchsichtig ist, um Einblicke zu gewähren. Der Käfig muss leicht bis in die kleinste Ecke zu reinigen sein. Da mittlerweile erläutert ist, dass Züchter eine stattliche Anzahl an Käfigen zu reinigen haben, erklärt sich diese Aussage quasi von selbst. Der Züchter kann sich nicht erlauben, 20-30 Minuten (oder länger) pro Käfig zu investieren. Ebenso muss der Käfig leicht zu handhaben sein, damit ein Auswaschen unter heißem Wasser überhaupt möglich ist.
Der Käfig muss die
Möglichkeit bieten, selbst bei Besatz mit Welpen, die noch im Nest liegen
oder gerade "flügge" geworden sind, gereinigt zu werden.
Dies erfordert, dass das Reinigen schnell und reibungslos vonstatten gehen
und dass auch eine Reinigung von Teilbereichen durch leichtes Herankommen
rasch erledigt werden kann.
Der Käfig muss eine
hohe Luftzirkulation garantieren.
Ein Punkt, der in einer Zucht wegen vieler stark urinierender Männchen,
Aufzuchtgruppen mit einer hohen Anzahl an Bewohnern (Welpen plus regulär
zweier adulter Mäuse) sowie vermehrt Urin ablassender Weibchen, einen noch
höheren Stellenwert hat als in der Liebhaberhaltung. Aufgrund der Anforderungen an Reinigung und Hygiene sowie
wegen ihrer kleinen Türen, die das Herausholen der Mäuse zu einem leidigen
Unterfangen machen, sind handelsübliche Gitterkäfige mit ihren
Kunststoffunterschalen, trotz der guten Belüftung, die sie bieten, nicht
geeignet. Da in Zuchten aus hygienischen Gründen auf Schalen aus
Kunststoff mit lediglich einem Gitterdeckel zurückgegriffen wird, dürfen
die Schalen zwangsläufig nicht sehr hoch sein, um ausreichende
Luftzirkulation im Käfig zu gewährleisten.
Käfige in einer
Zucht müssen einen raschen Überblick über jedes einzelne Tier ermöglichen.
Der Züchter muss quasi auf einen Blick erkennen können, ob es einer Maus
vielleicht nicht so gut geht wie es sollte. Bei der hohen Anzahl an Mäusen und Käfigen
in einer Zucht müssen die Käfige entsprechende Einblicke gewähren, ohne
dass der Züchter stundenlang warten muss, um eine bestimmte Maus zu
Gesicht zu bekommen oder er diese gar erst aus dem Käfig herausholen muss,
um zu sehen, wie es dem Tier geht. Die verwendeten Käfige müssen eine Kontrolle von Welpen im Nest ermöglichen, ohne dass jedes Mal in den Käfig gegriffen werden muss. Ein Züchter muss den Zustand seiner Welpen von Geburt an täglich kontrollieren. Neben intensiven Begutachtungen, die kurz nach der Geburt und daraufhin in größeren Abständen erfolgen, ist ein täglicher Blick auf die Welpen erforderlich. Um die Angelegenheit nicht in Stress für die Mütter ausarten zu lassen, muss es möglich sein, dieses durch einfaches Hinschauen erledigen zu können.
Der Käfig muss
gewährleisten, dass einzelne Mäuse rasch und problemlos herausgenommen
werden können.
Neben der Tatsache, dass es für eine Maus Stress hervorruft, wenn sie erst
"stundenlang" eingefangen werden muss, ist es bei der Betreuung der hohen
Anzahl an Tieren in einer Zucht absolut angebracht, dass der Züchter zügig
an jedes Tier herankommen kann. Man bedenke auch, dass z. B. das
Voranschreiten einer Trächtigkeit ein regelmäßiges Betasten der Maus vom
Züchter verlangt.
Fütterung und
Wasserversorgung müssen bei Käfigen in einer Zucht einfach zu handhaben
sein.
Regelmäßig frisches Trinkwasser zu geben und dabei die Flaschen
auszuspülen gehört zum Züchteralltag (nur Wasser nachzufüllen und das
erst, wenn die Tränke leer ist, reicht nicht aus). Dieses mit 20-80
Tränken zu betreiben und gleichzeitig dafür sorgen zu müssen, dass auch
jede Gruppe ihre eigene Trinkflasche zurück erhält, bedeutet einen
gewissen Aufwand. Dieser darf nicht dadurch erschwert werden, dass
Trinkflaschen umständlich angebracht sind. Das Abnehmen und wieder Anfügen
sollte quasi mit einem Griff zu erledigen sein.
Käfige für eine
Zucht müssen Platz sparend gelagert werden können.
Neben den vielen Käfigen, die im Einsatz sind, hat ein guter Züchter für
alle Fälle stets einige freie Käfige zur Verfügung. Der Käfig muss bequem zu handhaben sein und die Möglichkeit einer Umplatzierung bieten. In einer Zucht ist es normal, dass regelmäßig umgehend weitere Käfige aufgestellt werden müssen (Anpaarungen, Absetzen von Jungtieren, Geschlechtertrennung, Quarantäne, …) oder dass Käfige umplatziert werden (z. B. um bestimmte Tiere noch besser beobachten zu können).
Das Herstellen von
Freiräumen bzw. Abständen muss mit den Käfigen möglich sein.
Käfige in einer Zucht dürfen nicht aufeinander gestapelt werden und
sollten jederzeit die Möglichkeit bieten, Freiräume bzw. Abstände zwischen
Käfigen herzustellen, um bei Bedarf vermeiden zu können, dass Einstreu der
einen Gruppe in den Käfig der anderen Gruppe gelangen kann. Diese Maßnahme
wird spätestens dann erforderlich, wenn ansteckende Infektionskrankheiten
auftreten, bei denen die mit den Erregern kontaminierte Streu einer
erkrankten Gruppe nicht in die Käfige anderer Gruppen gelangen soll. Fest
installierte Eigenbauschränke oder -regale mit mehreren Käfigetagen sind
darum für eine Zucht denkbar ungeeignet. Käfige in einer Zucht müssen ausbruchsicher sein. Die Haltung fortpflanzungsfähiger Mäuse beiderlei Geschlechts erlaubt keinerlei Fahrlässigkeit hinsichtlich irgendwelcher Ausbruchsmöglichkeiten, wie sie z. B. Holzkäfige bieten sobald nur ein Tier im Käfig einen hohen Nagetrieb besitzt - dagegen helfen auch keine Äste etc. als Alternativen zum Nagen. Handelsübliche Gitterkäfige bieten manchmal speziell an den Türen Ausbruchsmöglichkeiten für Jungtiere. Der Käfig muss reibungslose Vergesellschaftungen und eine rasche Entwicklung von Gruppenharmonie ermöglichen. Mittlerweile ist hinlänglich bekannt, dass Vergesellschaftungen auf kleinem Raum geschehen müssen. In einer Zucht sind Vergesellschaftungen ein sich wiederholender Kreislauf. Züchter bemühen sich zwar, alle anstehenden Vergesellschaftungen auf das nötige Minimum zu beschränken, doch vermeiden lassen sie sich nicht. Sie sind in einem gewissen Maß unumgänglich, weil sonst heilloses Chaos in Form von planloser Dauervermehrung, von Überpopulation in Käfigen oder im anderen Extrem von verbliebenen Einzeltieren und von einer unmöglich gewordenen Identifizierung mancher Tiere entstehen würde.
Die Käfige für eine
Zucht müssen die Haltung von Männchengruppen ermöglichen.
Neben
Reinigungskriterien bzgl. der Männchenkäfige dürfen Käfige für vitale
Männchen nicht groß sein, um eine Gruppenhaltung männlicher Tiere überhaupt zu ermöglichen.
Notwendig ist diese Gruppenhaltung innerhalb der Zeit der Zuchtauslese,
also bis zum Zeitpunkt des ersten Zuchteinsatzes eines Männchens. copyright DMRM e. V. 2009 |