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Warum hat ein Züchter eine große Anzahl an Tieren? Züchtern wird gern vorgeworfen, ihre Anzahl an Tieren sei viel zu hoch und in den Köpfen mancher Laien schwebt aus vielerlei Gründen die Vorstellung, dass eine kleine Zucht eine bessere, liebevollere Zucht sei. Natürlich lässt sich allein durch den Besitz eines Männchens und eines Weibchens Nachwuchs bereits produzieren, viel mehr jedoch auch nicht. Gelungene und verantwortungsbewusste Zuchtauslese erfordert einiges mehr.
Ernsthafte und verantwortungsbewusste Zucht dient in ihren Zielen der
Erhaltung und Förderung einer Art bzw. Rasse und schließt nach Möglichkeit ebenfalls
eine Verbesserung mit ein. Im Folgenden ein Einblick in die Farbmauszucht, der je nach dem Stand der Erbgesundheit der Hobbyzuchtpopulation auf andere Nagerarten übertragbar ist. Stammtiere – Zuchttiere – notwendiger Gesamtbestand zur Zuchtauslese Um sich innerhalb der Farbmauszucht den kleinen Teil- und großen Endzielen annähern zu können, ist zumindest ein Basiswissen bzgl. Zucht im Allgemeinen sowie eine sehr strenge Zuchtauslese hinsichtlich Gesundheit, Wesen und äußerer Erscheinung erforderlich. Allein die verantwortungsbewusste Zuchtauslese nur nach gesundheitlichen Kriterien mit dem Ziel, negative erbliche Dispositionen so weit wie möglich auszugrenzen, einzudämmen oder gar auszumerzen setzt beim Züchter ein Minimum von etwa 20-50 Stammtieren pro Rasse (Zuchtfarbe), die gezüchtet wird, voraus. Bei anderen Hobbyzuchtformen als der Rassezucht, aus denen ebenfalls Heimtiere hervorgehen sollen, stellt die o. g. Anzahl ein Minimum für den zur Zuchtauslese notwendigen Gesamtbestand dar. Stammtiere sind nicht gleichzusetzen mit Zuchttieren. In einer verantwortungsbewussten Zucht geht nach abschließender Zuchtauslese von vier bis zu zwölf Monaten (in einigen Fällen sind rund neun bis zwölf Monate notwendig) tatsächlich nur ein Bruchteil der Stammtiere als Zuchttiere in die weitere Zucht für die nächste Generation. Der Anteil männlicher Stammtiere für eine gelungene Selektion sowie eine Vermeidung des übermäßigen Einsatzes eines einzelnen Männchens, die ein gewissenhafter Züchter ebenfalls halten muss, beträgt dabei durchaus 25 bis 50 Prozent der Mäuse einer Rasse bzw. des Gesamtbestandes. Ein ernsthafter Züchter hält somit zwangsläufig wesentlich mehr Tiere als er letztendlich in der Zucht einsetzen wird. Er ist stets darauf bedacht, mehrere Mäuse beiderlei Geschlechts aus einem Wurf bei sich zu behalten, um nur mit den besten Tieren weiter züchten zu können und um möglichst viele Rückschlüsse auf die Anlagen der Elterntiere sowie deren Vorfahren ziehen zu können. Bereits zur Zucht verwendete Tiere verbleiben nach Möglichkeit lebenslang beim Züchter oder einer vertrauten Person, um deren weiteren Verlauf hinsichtlich ihrer Veranlagungen beobachten zu können. Bei den wenigen Abgabetieren, die bedingt durch diese Zuchtverfahren in Liebhaberhände gelangen, ist der Züchter bemüht, deren Entwicklung mitverfolgen zu können. Dies erfordert eine gewisse Mithilfe durch die Abnehmer, welche sorgsam ausgesucht werden. Können die o. g. Bedingungen bei einer Geschwister- oder Elterngeneration einmal nicht eingehalten werden und ist über die Verwandtschaft der Zuchttiere bisher nichts oder wenig bekannt, wird die Nachzucht entweder gar nicht als Heim- oder Zuchttier abgegeben oder aber der zukünftige Besitzer wird entsprechend über den Mangel an Hintergrundwissen bzgl. der Erbanlagen der Tiere deutlich informiert.
Zuchtauslese nach
rein optischen Gesichtspunkten ist weit weniger
zeitaufwändig. Sie beginnt beim Jungtier und endet nach vier bis
maximal sechs
Monaten. Zusätzlich zu den genannten Gründen für die Notwendigkeit einer hohen Anzahl an Stammtieren kommt der Umstand hinzu, dass ein Züchter bemüht sein muss, innerhalb seines eigenen Bestandes eine möglichst hohe genetische Varianz aufzubauen. Mit ausschließlich irgendwie verwandten Tieren endet der Züchter nach einem gewissen Zeitraum in einer Sackgasse. Gleichzeitig ist es nie leicht, passendes und hoffentlich (einigermaßen) erbgesundes "Frischblut" zu bekommen und man kann und darf sich beim Aufbau eines Zuchtstammes nicht darauf verlassen, beständig auf den Pool anderer Zuchten zurückgreifen zu können. Pflicht eines jeden Züchters ist somit, innerhalb der eigenen Zucht mehrere getrennte Linien (pro Rasse) aufzubauen. copyright DMRM e. V. 2009 |