Warum ist strenge und langfristige Zuchtauslese notwendig?

Es mag verwundern, warum gerade der DMRM so vehement betont, wie wichtig ein hoher Aufwand hinsichtlich der Zuchtauslese ist - sonst spricht doch auch (kaum jemand) niemand davon.

Neben der traurigen Tatsache, dass Neid und Missgunst unter Züchtern immer wieder dazu führt, dass Probleme in Zuchten lieber totgeschwiegen werden - ein guter Züchter ist schließlich der, bei dem nie etwas Negatives passiert - existieren noch weitere Gründe, warum Erbkrankheiten selten öffentlich thematisiert werden. Nennen wir nur ein paar davon:
Der eine Züchter schweigt lieber darüber, der andere bewertet Defekte niedrig, der nächste bemerkt nichts, weil die Tiere nur ein halbes bis dreiviertel Jahr gehalten oder gar der Großteil an Nachzuchten als Futtertiere verwendet werden, ein weiterer ist Neuzüchter, kreuzt zunächst Tiere verschiedener Herkunft und bleibt vom Auftreten unangenehmer Dinge eine ganze Weile verschont, noch jemand bleibt seiner Linie (die vielleicht "sauber" ist) treu und endet "höchstens" bei Inzuchtdepressionen, die wieder zu Verlusten der Fruchtbarkeit führen, so dass die Tiere sich nur noch durch frühen Zuchtansatz reproduzieren können. Außerdem beenden viele Hobbyzüchter die Zucht aus mannigfaltigen Gründen vor Ablauf von ein oder zwei Jahren wieder. Zu früh, dass ihnen überhaupt etwas auffallen konnte.                   

Farbmäuse gehören zu den mit Erbdefekten stark belasteten Tieren. Dies betrifft sämtliche Mäuse, egal welcher Herkunft (Zuchtstätte oder Nationalität) oder welchen Typs und auch die Rassetiere natürlich eingeschlossen.
Einige in Hobbyzuchten bisher aufgetretene negative erbliche Anlagen sind:
- (frühe) Tumorentwicklung der Weibchen
- Dispositionen zu Fettleibigkeit (nicht nur bedingt durch das Farballel A[y])
- Verhaltensstörung des "Tasthaarfressens" (sukzessives Abbeißen/Ausreißen der Barthaare aller anderen Tiere der Gruppe
; tritt hauptsächlich bei Weibchen auf)
- Deformationen des Schwanzes (Knicke, Verkürzungen, Ringelungen, Schwanzlosigkeit)
- Verhaltensstörung des Fellrasierens (andere Gruppenmitglieder werden speziell im Bereich des Kopfes und Nackens kahl geschoren)
- Kratzneurosen (zwanghaftes Kratzen bis zum partiellen Fellverlust gepaart mit Blutungen und Entzündungen)
- Epilepsie
- Diabetes
- Lid Gap (geöffnete Augenlidspalte bei Neugeborenen)
- Zehanormalien
Nur wenige der genannten Defekte äußern sich bereits beim Welpen oder Jungtier. Manche Negativanlagen sind ab drei bis vier Monaten erkennbar, doch meist dauert es länger bis zum sichtbaren Auftreten. Auch können gar neun bis zwölf Monate bis zum phänotypischen Auftreten vergehen. Langfristige Zuchtauslese ist zwar bei Weibchen besonders angebracht, doch auch Männchen sollten nicht als "junge Kerle" bereits zur Zucht eingesetzt werden, um zunächst abzuwarten, was sie zu einem späteren Zeitpunkt zeigen oder nicht. Zudem offenbaren die Schwestern im Laufe ihres Lebens, welche Anlagen die Brüder weiter geben könnten. Denn auch wenn die Männchen einige Defekte selbst nicht im Phänotyp entwickeln, vererben sie die negativen Anlagen dafür genauso weiter wie die Weibchen.

Die meisten Züchter sind jedoch wenig oder gar nicht bereit, solche "Horrorgeschichten" zu glauben und selbst von alterfahrenen Züchtern betreute Neuzüchter verdrängen dies anfangs oft - welcher begeisterte Mäusefreund hört so etwas auch schon gern?!
Viele Züchter müssen darum erst am eigenen Leib erleben, was alles an Üblem in den Mäusen steckt, bis sie diese Tatsache wirklich verinnerlichen können.
Leider gehen jedoch zumeist etwa 1,5 - 2 Jahre intensiver Zucht ins Land bis ein Neuzüchter die traurige Wahrheit an seinem eigenen Mäusebestand (ansatzweise) erkennen kann - vorausgesetzt, er führt keine Kleinzucht und arbeitet innerhalb dieses Zeitraumes auch selektiv und kontinuierlich an einem eigenen Zuchtstamm.
Werden allerdings stets die gleichen Zuchttiere oder
regelmäßig Zuchttiere aus diversen anderen Zuchten eingesetzt - schlimmstenfalls wiederum aus jungen Zuchten, wo kein oder kaum Hintergrundwissen bzgl. der Zuchttiere und deren Vorfahren besteht - können negative Anlagen durchaus noch ein wenig länger im Verborgenen bleiben als die genannten zwei Jahre, werden aber gleichzeitig durch das Verpaaren von Tieren aus verschiedener Herkunft schön gleichmäßig verbreitet.

Die stetig wachsende Beliebtheit der Farbmauszucht sowie der Glaube, es sei ein leichtes Hobby für jedermann, führt aber wiederum dazu, dass sich in kontinuierlicher Regelmäßigkeit Neueinsteiger mit dem frischen Elan, den man bei einem neuen Hobby üblicherweise an den Tag legt, über das Thema Mäusezucht auslassen, obwohl sie von diesem noch verhältnismäßig wenig Kenntnis und noch weniger Erfahrung haben. Schnell wird dabei über das Ziel hinausgeschossen, weil positive Schlüsse auf die Erbgesundheit und Stabilität des eigenen Bestandes gezogen werden, faktisch jedoch noch gar nicht gezogen werden können. Zuchtanfänger machen wahrhaftig anfangs zumeist augenscheinlich positive Erfahrungen hinsichtlich der Erbgesundheit der Mäusepopulation, weshalb sie noch nicht viel zur Aufklärung über erbliche Belastungen und deren Konsequenzen für die Zucht beitragen können.

Es gibt sie diese "Dämonen" im Erbgut, denen der Züchter durch verantwortungsbewusste Auslese der Zuchttiere sowie entsprechender Wahl der Zuchtpartner versuchen sollte, so gut er kann entgegenzuwirken. Zuchtauslese kann nicht ausschließlich auf einige Wochen oder wenige Monate beschränkt sein, bereits eingesetzte Zuchttiere und deren Nachkommen müssen langfristig beobachtet werden, denn Negativanlagen treten meist erst spät bis sehr spät zutage.

Ein weiterer Faktor, warum Zuchtauslese und Beobachtung über einen langen Zeitraum sowie streng durchgeführt werden muss und eine entsprechend hohe Anzahl an Auswahlmöglichkeiten (Stammtieren) erforderlich ist, ist der traurige Umstand, dass in der Farbmauszucht intensive Selektion hinsichtlich eines intakten Immunsystem notwendig ist. Eine recht hohe Zahl an bakteriellen Erregern, die die Mäusegesundheit gefährden, sind weltweit und flächendeckend verbreitet.
Es sind keinerlei keimfreie Hobbyzuchten bekannt und selbst in der besten Zucht kann es dementsprechend im Laufe der Jahre zu gesundheitlichen Ausfällen kommen, wobei die Tiere sich mehr oder weniger hinsichtlich der Stabilität ihres Immunsystems unterscheiden. Um zu gewährleisten, dass auch in dieser Hinsicht ausschließlich mit den Mäusen gezüchtet wird, deren Immunsystem sich als am besten ausgeprägt erweist, muss der Züchter sich also Zeit bei der Auslese und Beobachtung nehmen (immunschwache Tiere geben sich mit zunehmendem Alter zu erkennen) und über genügend Auswahltiere für die Zuchtselektion verfügen.

copyright DMRM e. V. 2009

 

Notwendigkeit der Zuchtauslese
 

Warum ist strenge und langfristige Zuchtauslese notwendig?

Es mag verwundern, warum gerade der DMRM so vehement betont, wie wichtig ein hoher Aufwand hinsichtlich der Zuchtauslese ist - sonst spricht doch auch (kaum jemand) niemand davon.

Neben der traurigen Tatsache, dass Neid und Missgunst unter Züchtern immer wieder dazu führt, dass Probleme in Zuchten lieber totgeschwiegen werden - ein guter Züchter ist schließlich der, bei dem nie etwas Negatives passiert - existieren noch weitere Gründe, warum Erbkrankheiten selten öffentlich thematisiert werden. Nennen wir nur ein paar davon:
Der eine Züchter schweigt lieber darüber, der andere bewertet Defekte niedrig, der nächste bemerkt nichts, weil die Tiere nur ein halbes bis dreiviertel Jahr gehalten oder gar der Großteil an Nachzuchten als Futtertiere verwendet werden, ein weiterer ist Neuzüchter, kreuzt zunächst Tiere verschiedener Herkunft und bleibt vom Auftreten unangenehmer Dinge eine ganze Weile verschont, noch jemand bleibt seiner Linie (die vielleicht "sauber" ist) treu und endet "höchstens" bei Inzuchtdepressionen, die wieder zu Verlusten der Fruchtbarkeit führen, so dass die Tiere sich nur noch durch frühen Zuchtansatz reproduzieren können. Außerdem beenden viele Hobbyzüchter die Zucht aus mannigfaltigen Gründen vor Ablauf von ein oder zwei Jahren wieder. Zu früh, dass ihnen überhaupt etwas auffallen konnte.                   

Farbmäuse gehören zu den mit Erbdefekten stark belasteten Tieren. Dies betrifft sämtliche Mäuse, egal welcher Herkunft (Zuchtstätte oder Nationalität) oder welchen Typs und auch die Rassetiere natürlich eingeschlossen.
Einige in Hobbyzuchten bisher aufgetretene negative erbliche Anlagen sind:
- (frühe) Tumorentwicklung der Weibchen
- Dispositionen zu Fettleibigkeit (nicht nur bedingt durch das Farballel A[y])
- Verhaltensstörung des "Tasthaarfressens" (sukzessives Abbeißen/Ausreißen der Barthaare aller anderen Tiere der Gruppe
; tritt hauptsächlich bei Weibchen auf)
- Deformationen des Schwanzes (Knicke, Verkürzungen, Ringelungen, Schwanzlosigkeit)
- Verhaltensstörung des Fellrasierens (andere Gruppenmitglieder werden speziell im Bereich des Kopfes und Nackens kahl geschoren)
- Kratzneurosen (zwanghaftes Kratzen bis zum partiellen Fellverlust gepaart mit Blutungen und Entzündungen)
- Epilepsie
- Diabetes
- Lid Gap (geöffnete Augenlidspalte bei Neugeborenen)
- Zehanormalien
Nur wenige der genannten Defekte äußern sich bereits beim Welpen oder Jungtier. Manche Negativanlagen sind ab drei bis vier Monaten erkennbar, doch meist dauert es länger bis zum sichtbaren Auftreten. Auch können gar neun bis zwölf Monate bis zum phänotypischen Auftreten vergehen. Langfristige Zuchtauslese ist zwar bei Weibchen besonders angebracht, doch auch Männchen sollten nicht als "junge Kerle" bereits zur Zucht eingesetzt werden, um zunächst abzuwarten, was sie zu einem späteren Zeitpunkt zeigen oder nicht. Zudem offenbaren die Schwestern im Laufe ihres Lebens, welche Anlagen die Brüder weiter geben könnten. Denn auch wenn die Männchen einige Defekte selbst nicht im Phänotyp entwickeln, vererben sie die negativen Anlagen dafür genauso weiter wie die Weibchen.

Die meisten Züchter sind jedoch wenig oder gar nicht bereit, solche "Horrorgeschichten" zu glauben und selbst von alterfahrenen Züchtern betreute Neuzüchter verdrängen dies anfangs oft - welcher begeisterte Mäusefreund hört so etwas auch schon gern?!
Viele Züchter müssen darum erst am eigenen Leib erleben, was alles an Üblem in den Mäusen steckt, bis sie diese Tatsache wirklich verinnerlichen können.
Leider gehen jedoch zumeist etwa 1,5 - 2 Jahre intensiver Zucht ins Land bis ein Neuzüchter die traurige Wahrheit an seinem eigenen Mäusebestand (ansatzweise) erkennen kann - vorausgesetzt, er führt keine Kleinzucht und arbeitet innerhalb dieses Zeitraumes auch selektiv und kontinuierlich an einem eigenen Zuchtstamm.
Werden allerdings stets die gleichen Zuchttiere oder
regelmäßig Zuchttiere aus diversen anderen Zuchten eingesetzt - schlimmstenfalls wiederum aus jungen Zuchten, wo kein oder kaum Hintergrundwissen bzgl. der Zuchttiere und deren Vorfahren besteht - können negative Anlagen durchaus noch ein wenig länger im Verborgenen bleiben als die genannten zwei Jahre, werden aber gleichzeitig durch das Verpaaren von Tieren aus verschiedener Herkunft schön gleichmäßig verbreitet.

Die stetig wachsende Beliebtheit der Farbmauszucht sowie der Glaube, es sei ein leichtes Hobby für jedermann, führt aber wiederum dazu, dass sich in kontinuierlicher Regelmäßigkeit Neueinsteiger mit dem frischen Elan, den man bei einem neuen Hobby üblicherweise an den Tag legt, über das Thema Mäusezucht auslassen, obwohl sie von diesem noch verhältnismäßig wenig Kenntnis und noch weniger Erfahrung haben. Schnell wird dabei über das Ziel hinausgeschossen, weil positive Schlüsse auf die Erbgesundheit und Stabilität des eigenen Bestandes gezogen werden, faktisch jedoch noch gar nicht gezogen werden können. Zuchtanfänger machen wahrhaftig anfangs zumeist augenscheinlich positive Erfahrungen hinsichtlich der Erbgesundheit der Mäusepopulation, weshalb sie noch nicht viel zur Aufklärung über erbliche Belastungen und deren Konsequenzen für die Zucht beitragen können.

Es gibt sie diese "Dämonen" im Erbgut, denen der Züchter durch verantwortungsbewusste Auslese der Zuchttiere sowie entsprechender Wahl der Zuchtpartner versuchen sollte, so gut er kann entgegenzuwirken. Zuchtauslese kann nicht ausschließlich auf einige Wochen oder wenige Monate beschränkt sein, bereits eingesetzte Zuchttiere und deren Nachkommen müssen langfristig beobachtet werden, denn Negativanlagen treten meist erst spät bis sehr spät zutage.

Ein weiterer Faktor, warum Zuchtauslese und Beobachtung über einen langen Zeitraum sowie streng durchgeführt werden muss und eine entsprechend hohe Anzahl an Auswahlmöglichkeiten (Stammtieren) erforderlich ist, ist der traurige Umstand, dass in der Farbmauszucht intensive Selektion hinsichtlich eines intakten Immunsystem notwendig ist. Eine recht hohe Zahl an bakteriellen Erregern, die die Mäusegesundheit gefährden, sind weltweit und flächendeckend verbreitet.
Es sind keinerlei keimfreie Hobbyzuchten bekannt und selbst in der besten Zucht kann es dementsprechend im Laufe der Jahre zu gesundheitlichen Ausfällen kommen, wobei die Tiere sich mehr oder weniger hinsichtlich der Stabilität ihres Immunsystems unterscheiden. Um zu gewährleisten, dass auch in dieser Hinsicht ausschließlich mit den Mäusen gezüchtet wird, deren Immunsystem sich als am besten ausgeprägt erweist, muss der Züchter sich also Zeit bei der Auslese und Beobachtung nehmen (immunschwache Tiere geben sich mit zunehmendem Alter zu erkennen) und über genügend Auswahltiere für die Zuchtselektion verfügen.

copyright DMRM e. V. 2009